Katja Andrees

Psychose | Haus Mohmühle | Angebote | Ergotherapie | Heilerziehungspflege | Psychiatrisches Wohnheim | Heiminterne Tagesstruktur | Wiedereingliederung

2. Phase – Ausbruch der Psychose

Treten plötzliche oder länger dauernde Belastungen auf, die als Stress empfunden werden, kann es zum Ausbruch der akuten Psychose kommen. Diese Belastungen sind für die Klient:innen verbunden mit einer Fülle von zusätzlichen Informationen, die nicht in das bestehende System zu integrieren sind.

In einer solchen Situation geht die Fähigkeit zur geordneten Organisation der Wahrnehmung durch eine Überforderung so weit verloren, dass ein genereller Zusammenbruch der Orientierung droht. Es ist leicht vorstellbar, dass dieses Erleben zu massiver Angst bis hin zur Panik führt.

Um die Orientierung wiederherzustellen, wird dann oft versucht, quasi eine neue Ordnung der Wahrnehmung einzuführen. Neue Zusammenhänge zwischen Beobachtungen und Ereignissen werden konstruiert, neue Erklärungen für sonst Unerklärliches werden geschaffen.

Dem Außenstehenden erscheinen diese Neukonstruktionen als wahnhaftes Erleben, Stimmenhören und optische Halluzinationen.

Den Betroffenen versetzt es jedoch wieder in die Lage, sich in seiner Welt strukturierend zu orientieren. Das unerträgliche Chaos verwandelt er in eine neue Ordnung. Er wird wieder zum „Herrn seiner selbst“: er hat die Kontrolle wiedererlangt.

Umgehend reduziert sich die Angst. Und die Reduzierung der Angst vermittelt dem Betroffenen den Eindruck, das Problem gelöst zu haben.

Die Problemlösung erscheint jedoch nur innerhalb des eigenen Bezugsrahmens als sinnvoll; in der Begegnung mit anderen schafft diese Problemlösung Unverständnis. Das Unverständnis verführt leicht dazu, den Betroffenen nicht ernst zu nehmen und sein Handeln für sinnlos und „verrückt“ zu halten. Wen man für verrückt hält, spricht man dann auch leicht die Verantwortlichkeit ab.

Um die massive Angst weiterhin zu vermeiden, wird die Neukonstruktion der Realität entschieden verteidigt. Die einmal gewonnene Problemlösung wird damit resistent gegen alternative Lösungen.

Auslöser der akuten Psychose sind oft zwischenmenschliche Konflikte und Situationen, die mit starken Emotionen verbunden sind. Dazu gehören z.B. Prüfungen, Umzug, Heirat, Geburt Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod. Der in Untersuchungen jedoch am häufigsten genannte Stressor ist das Alleinsein.

schizophrene Verletzlichkeit |Haus Mohmühle | Ergotherapie | Heilerziehungspflege | Psychiatrisches Wohnheim | Heiminterne Tagesstruktur | Wiedereingliederung

1. Phase – präpsychotische Entwicklung

Eine besondere schizophrene Verletzlichkeit, die schon vor der akuten Erkrankung besteht – davon geht das Modell nach Ciompi aus. Sie entwickelt sich durch ein Wechselspiel biologischer und psychosozialer Einflüsse und Bedingungen.

Die besondere schizophrene Verletzlichkeit zeigt sich in einer Störung der Informationsverarbeitung:

Es stellt eine zentrale Fähigkeit unseres Gehirns dar, auszuwählen, welche Wahrnehmungsreize aufgenommen und verarbeitet werden. Es existieren Reizfilter, die bestimmte Reize hervorheben und andere Reize ausblenden. Wir verfügen über eine selektive (auswählende) Aufmerksamkeit. Diese grundlegende Fähigkeit der Informationsverarbeitung ist bei schizophren verletzlichen Menschen gestört.

  • Viele Reize werden gleichzeitig und intensiv wahrgenommen.
  • Es kann nicht unterschieden werden zwischen wichtig und unwichtig, zwischen Hintergrund und Figur.
  • Der Organismus ist einem Bombardement nicht einzuordnender Reize ausgesetzt.
  • Dadurch entsteht Reizüberflutung.
  • Die Konzentration lässt schnell nach.
  • Weil die Wahrnehmung nicht aktiv zugeordnet werden kann, ist die Orientierung erschwert.
  • Die Umgebung wird als ungeordnet und bedrohlich erlebt.

Die Störung der Informationsverarbeitung wirkt sich aus als sogenannte Basisstörung bereits vor Ausbruch der eigentlichen Erkrankung.

Basisstörungen zeigen sich in verändertem Denken, Wahrnehmen und Sprechen, in Störungen der Gefühle und in veränderten Bewegungsabläufen:

  • Störungen des Denkens: Durcheinanderlaufen, Abreißen, Sprunghaftigkeit von Gedanken.
  • Störungen der Wahrnehmung: Unfähigkeit, Reize aus verschiedenen Sinnesbereichen zu integrieren, Intensitätsveränderungen, ungewöhnliche bizarre Körperempfindungen.
  • Störungen des Sprechens: Verstümmelung von Worten, unvollständige Sätze, Wortfindungsprobleme.
  • Störungen der Gefühle: mangelnde Unterscheidbarkeit von Gefühlen, Gefühlsschwankungen, Widersprüchlichkeit der Gefühle.
  • Störungen der Bewegungsabläufe: Blockierungen, nicht beabsichtigte Bewegungen, mangelnde Koordination.

Die Folge sind innere Verwirrung und Desorientierung. Die zentrale Erfahrung ist die der Unsicherheit und des Kontrollverlustes. Der schizophren Verletzliche erlebt sich nicht mehr „Herr seiner selbst.“ Verbunden ist dieses Erleben mit Angst.

Konzeption | Haus Mohmühle | Ergotherapie | Heilerziehungspflege | Psychiatrisches Wohnheim | Heiminterne Tagesstruktur | Wiedereingliederung

Konzeption – Gestaltungsleitendes Konzeptionsprinzip

Die Entwicklung unserer Konzeption:

Am Anfang steht ein Grundverständnis davon, was Psychose in ihrem Kern als innerpsychischen Problemlöseversuch ausmacht.

Es wird eine theoretische Modellvorstellung über Wahrnehmung, Gefühle, Gedanken und Verhalten unserer Klient:innen entwickelt.

Die Auswirkungen auf gemeinsame Interaktionen und die Struktur gemeinsamen Lebens werden beschrieben.

Auf dieser Basis der Analyse und Diagnose können die Hauptmerkmale hilfreichen therapeutischen Handelns und hilfreicher therapeutischer Strukturen beschrieben werden: Die Strukturen und Interaktionsformen der Einrichtung können so abgestimmt werden auf die besonderen Bedürfnisse unserer Klient:innen: Schwächen und Defiziten kann Rechnung getragen werden durch Kompensationsmöglichkeiten; Stärken können Entfaltungsraum und Darstellungsmöglichkeiten finden.

Eine Konzeption der Einrichtung „um die Psychose herum“.

Mitarbeitende verstehen und definieren wir als einen Teil des Systems: wir reflektieren unsere Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle als von unseren Klient:innen bestimmt und als zugleich von ihnen unabhängig.

Wir beziehen uns in unserem Grundverständnis von Psychosen auf das Drei-Phasen-Modell von CIOMPI (nach Ciompi 1988): das Modell stellt eine Meta-Theorie dar (eine Theorie, die verschiedene Theorien integriert); das hat den Vorteil, dass experimental-psychologische Befunde ebenso integriert werden können wie die Erkenntnisse zum subjektiven Erleben der Störung.

Die Grundzüge des Modells werden hier kurz dargestellt:

Die einzelnen Phasen werden in den nächsten Blogbeiträgen näher erläutert.

Klientinnen | Haus Mohmühle | Angebote | Ergotherapie | Heilerziehungspflege | Psychiatrisches Wohnheim | Heiminterne Tagesstruktur | Wiedereingliederung | Stationäre Angebote

Klient:innen

Wir betreuen erwachsene Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Unsere Klient:innen sind sowohl Männer als auch Frauen ab 18 Jahren.

Unsere Klient:innen leiden überwiegend an einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis. Sie sind uns auch willkommen, wenn sie zusätzlich zur Psychose ein Suchtproblem haben.

Wir betreuen auch Klient:innen mit einer geistigen Behinderung, die durch Verhaltensstörungen oder eine zusätzliche Psychose gehandikapt sind.

Einige Menschen machen einen Hilfebedarf deutlich, der nicht von den üblichen Krankheitsbildern her zu verstehen ist. Bei solchen Klient:innen prüfen wir sehr individuell, welche Angebote wir ihnen machen können.

Wir nehmen vorrangig Personen aus dem Einzugsbereich der Region Hannover, um Kontakte zu Familien und dem bisherigen Lebensumfeld zu erleichtern.

Wer zu uns kommt, braucht vorübergehend Hilfe oder auch für längere Zeit. Wie lange jemand bei uns ist, wird individuell verabredet.

Wer medizinische und/oder berufliche Rehabilitation braucht, wird an andere Einrichtungen verwiesen. Personen, die in erster Linie an einer Suchterkrankung leiden, können von uns nicht angemessen betreut werden.

Unserem Verständnis nach gibt es grundlegende Übereinstimmungen zwischen psychisch beeinträchtigten Menschen und sogenannten „Gesunden“:
Jeder Mensch entwickelt auf dem Hintergrund seiner Geschichte, seiner Erfahrungen und seiner psychischen und genetischen Disposition sinnvolle Erlebens- und Verhaltensweisen.

Nicht immer ist das Sinnvolle der Erlebens- und Verhaltensweisen bei psychisch beeinträchtigten Menschen sofort zu erkennen und zu verstehen.
Hintergrundwissen und Einfühlungsvermögen können das Verstehen erleichtern. Beides wollen wir unseren Klient:innen anbieten.

Das Verständnis von außen hilft unseren zu Betreuenden, sich selbst zu verstehen und zu akzeptieren – und wer sich akzeptiert, kann sich verändern und weiterentwickeln.
Uns hilft das Verständnis, unsere Klient:innen wertzuschätzen und in einem guten Kontakt zu bleiben.

Wir verstehen unsere Arbeit als Arbeit in einem System:
Wir beeinflussen unsere Klient:innen, aber auch unsere Klient:innen beeinflussen uns. Alle Teile oder alle Mitglieder in einem System sind in fortwährender Veränderung und Bewegung. Wie unsere Klient:innen so stehen auch wir vor der Herausforderung zu Veränderung und Entwicklung.

Unsere Verantwortung in dem System ist es, positive Veränderung zu fördern: Veränderung zu Autonomie und Selbstbestimmung.

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