Konsequenzen für die Gestaltung der Einrichtungen, Teil 3 Minderung der Residualsymptome

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(Auszug aus der Konzeption „Einrichtungen für psychisch Genesende“, 2004)

Minderung der Residualsymptome

In ihrem Kern dienen Residualsymptome dem Schutz vor Reizüberflutung. Sie werden jedoch selber zum Problem, wenn Rückzug, Vermeidung und Resignation das Verhalten überwiegend bestimmen. Dann gibt der Erkrankte immer mehr Kontrolle und Verantwortung auf, die oft von helfenden Systemen übernommen werden. Das hat zur Folge, dass der Handlungsspielraum des Erkrankten sich mehr und mehr einschränkt.

Wir erkennen das Bedürfnis unserer Klient:innen an, sich zurückzuziehen und Anstrengungen zu vermeiden; gleichzeitig machen wir ihnen Mut, wieder aktiv zu werden und Verantwortung und Kontrolle zu übernehmen.

Die Kunst unserer Hilfe besteht darin für jeden Einzelnen das Maß an Verantwortung zu bestimmen, das ermutigt ohne zu überfordern. Wir begegnen der Lähmung der Residualsymptome mit aktivierenden Strategien und aktivierenden Beziehungen.

Aktivierende Strategien

  • Wir erarbeiten mit jede:r Klient:in realisierbare Ziele in kleinen Schritten
  • Wir fordern von unseren Klient:innen die Übernahme von Verantwortung.
  • Wir sorgen dafür, dass sie die Konsequenzen ihres Handelns oder Nichthandelns erfahren.
  • Wir schränken unsere Serviceangebote auf das Nötigste ein.
  • Wir fördern die Mitgestaltung von Klient:innen z. B. durch die regelmäßige Arbeit mit der Bewohnervertretung und durch regelmäßige Bewohnerversammlungen.
  • Durch einen kontinuierlichen Veränderungsprozess unserer Einrichtungen und immer neue Projekte sind alle herausgefordert, sich mit Neuem auseinanderzusetzen und sich zu verändern.

Aktivierende Beziehungen

Wir verstehen uns als gleichberechtigte Interaktionspartner unserer Klient:innen: d. h. wir nehmen unserer Gefühle und spontanen Bedürfnisse im Kontakt mit unseren Klient:innen wahr ebenso wie die Gefühle und spontanen Bedürfnisse unserer Klient:innen. Beiden Seiten messen wir die gleiche Bedeutung zu. Wir wissen, dass langfristige und gute Beziehungen von gegenseitigem Geben und Nehmen geprägt sind. In diesem Sinne geben wir unsere professionelle Kompetenz und unsere Einfühlungsfähigkeit und fordern von unseren Klient:innen ihren Beitrag zu einer gleichberechtigten Beziehung. Wir machen uns für unsere Klient:innen transparent: wir zeigen uns in unseren Fähigkeiten und unseren Bedürfnissen. Wir zeigen, dass wir angewiesen sind auf ihren Beitrag zu einer gelungenen Beziehung. Wir gestehen uns und unseren Klient:innen Fehler zu. Wenn es nötig ist, praktizieren wir Wiedergutmachung, als Täter-Opfer-Ausgleich, um Beziehungsabbrüche zu vermeiden. In all dem geben wir unseren Klient:innen ein Modell.

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